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Prüfung und Compliance: Was ist erforderlich?

Externe Audits sind nicht für alle Unternehmen obligatorisch. Erfahre, wann eine Prüfung notwendig wird und was sie wirklich bedeutet.

8 Min Lesezeit Mittelstufe Februar 2026
Buchhalter überprüft Finanzunterlagen mit Taschenrechner und Notizen während der Prüfung

Nicht jedes Unternehmen muss geprüft werden

Die Frage, ob dein Unternehmen einer externen Prüfung unterliegt, hängt von mehreren Faktoren ab. Es’s nicht so, dass alle Firmen die gleichen Anforderungen erfüllen müssen. Das deutsche Bilanzrecht unterscheidet zwischen verschiedenen Unternehmensgrößen und Rechtsformen. Kleine Unternehmen haben oft erheblich weniger Compliance-Anforderungen als große Aktiengesellschaften. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch erhebliche Kosten.

In diesem Leitfaden schauen wir uns an, wann eine Prüfung wirklich notwendig wird, welche Schwellwerte zählen und was eine externe Prüfung tatsächlich bedeutet. Du wirst verstehen, wie die Größenmerkmale funktionieren und warum manche Unternehmen damit rechnen müssen, während andere davon befreit sind.

Finanzberater bespricht Compliance-Anforderungen mit Geschäftsführer am modernen Schreibtisch

Die Größenmerkmale verstehen

Das Handelsgesetzbuch (HGB) nutzt drei Größenmerkmale, um zu bestimmen, ob ein Unternehmen einer Prüfung unterliegen muss: die Bilanzsumme, der Umsatzerlös und die Anzahl der Arbeitnehmer. Ein Unternehmen gilt als klein, wenn zwei von drei Kriterien unterschritten werden.

Für kleine Kapitalgesellschaften liegen die Schwellwerte bei einer Bilanzsumme von 6 Millionen Euro, Umsatzerlösen von 12 Millionen Euro und durchschnittlich 50 Arbeitnehmern. Wenn dein Unternehmen diese Grenzen nicht überschreitet, darfst du dich in der Regel von der Prüfung befreien lassen. Das’s ein großer Vorteil für viele Mittelständler.

  • Bilanzsumme unter 6 Mio. EUR
  • Umsatzerlöse unter 12 Mio. EUR
  • Durchschnittlich weniger als 50 Arbeitnehmer
Finanzanalyst arbeitet mit Tabellenkalkulationen und Bilanzdaten auf dem Computerbildschirm

“Die meisten kleinen GmbHs müssen sich nicht prüfen lassen. Wer aber freiwillig eine Prüfung durchführt, zeigt Transparenz und stärkt das Vertrauen bei Banken und Investoren.”

— Prüfungsstandards im Rechnungswesen

Wirtschaftsprüfer führt Audit durch und überprüft Geschäftsunterlagen mit Checkliste

Wann ist eine Prüfung verpflichtend?

Bestimmte Unternehmen kommen nicht um eine externe Prüfung herum. Große Kapitalgesellschaften, börsennotierte Unternehmen und Finanzinstitute unterliegen der Prüfungspflicht. Auch wenn zwei der drei Größenmerkmale überschritten werden, ist eine Prüfung erforderlich. Das gilt für alle Jahre, in denen die Grenzen überschritten wurden.

Zusätzlich gibt’s Sonderregeln für bestimmte Branchen. Versicherungsunternehmen, Banken und Bausparkassen werden immer geprüft, unabhängig von ihrer Größe. Auch manche Stiftungen und gemeinnützige Organisationen haben spezielle Anforderungen. Die Industrie- und Handelskammern können zudem für einzelne Wirtschaftszweige besondere Regelungen treffen.

Überschreitest du die Schwellwerte erstmals, darfst du noch ein Jahr abwarten. Die Prüfung wird erst erforderlich, wenn die Größenmerkmale in zwei aufeinanderfolgenden Jahren überschritten werden. Das gibt dir etwas Zeit, dich vorzubereiten.

Der Ablauf einer externen Prüfung

Eine externe Prüfung folgt strukturierten Schritten und wird nach einheitlichen Standards durchgeführt. Hier ist, was du erwarten kannst:

01

Prüfungsplanung

Der Wirtschaftsprüfer entwickelt eine detaillierte Prüfungsstrategie. Er oder sie schaut sich deine Geschäftsprozesse an, bewertet Risiken und plant die Prüfungshandlungen. Das erspart Zeit später und macht den ganzen Prozess effizienter.

02

Datenprüfung

Der Prüfer überprüft deine Buchführung, Belege und Konten. Dabei werden Stichproben gezogen, Positionen überprüft und die Ordnungsmäßigkeit dokumentiert. Das ist der intensivste Teil der Prüfung und dauert meist mehrere Wochen.

03

Abschlussbesprechung

Der Prüfer bespricht Ergebnisse mit deiner Geschäftsführung. Erkannte Mängel werden kommuniziert, und es’s die Chance, Fragen zu stellen. Das Unternehmen kann noch zu bestimmten Punkten Stellung nehmen.

04

Bestätigung oder Einschränkung

Der Prüfer erteilt ein Testat — entweder uneingeschränkt oder mit Einschränkungen. Ein uneingeschränktes Testat bedeutet, dass die Jahresrechnung ordnungsgemäß ist. Einschränkungen zeigen, dass es Probleme gab, die aber nicht das Gesamturteil ändern.

Compliance über die Prüfung hinaus

Eine externe Prüfung ist nur ein Teil deiner Compliance-Anforderungen. Du musst auch die Offenlegungspflichten erfüllen. Kleine und mittlere Kapitalgesellschaften müssen ihre Jahresabschlüsse beim Bundesanzeiger einreichen. Das gilt für alle GmbHs und Genossenschaften, egal wie groß sie sind.

Die Frist für die Einreichung beträgt drei Monate nach Bilanzstichtag. Wer’s verpasst, riskiert hohe Geldstrafen — bis zu 5.000 Euro pro Monat Verzögerung. Es lohnt sich also, das im Blick zu behalten.

Daneben gibt’s noch weitere Anforderungen: Gewerbesteuererklärungen, Umsatzsteuervoranmeldungen, Lohnsteueranmeldungen. Jede dieser Aufgaben hat ihre eigenen Fristen und Regeln. Wer alles korrekt machen will, sollte einen Steuerberater zur Seite haben.

Compliance-Manager mit Checkliste überprüft Geschäftsprozesse und regulatorische Anforderungen

Warum eine freiwillige Prüfung sinnvoll sein kann

Wenn dein Unternehmen nicht zur Prüfung verpflichtet ist, fragst du dich vielleicht, warum du eine durchführen solltest. Es gibt da tatsächlich gute Gründe:

Bankenkredite

Banken verlangen oft ein Testat, bevor sie Kredite vergeben. Eine externe Prüfung zeigt, dass deine Zahlen zuverlässig sind.

Investor-Vertrauen

Wenn du Investoren suchst oder Anteile verkaufen willst, ist ein Testat ein starkes Signal für Transparenz und Zuverlässigkeit.

Fehler aufdecken

Der Prüfer findet Schwachstellen in deinen Prozessen. Das hilft dir, diese zu beheben, bevor sie zu größeren Problemen werden.

Glaubwürdigkeit

Ein Testat ist ein unabhängiges Qualitätssiegel. Geschäftspartner, Kunden und Lieferanten nehmen dein Unternehmen ernster.

Fazit: Planung und Vorbereitung

Ob eine externe Prüfung für dein Unternehmen verpflichtend ist oder nicht, hängt von deinen Größenmerkmalen ab. Wenn du unter den Schwellwerten bleibst, bist du befreit. Aber auch dann kann eine freiwillige Prüfung wertvoll sein — für Kredite, Investoren oder einfach nur zur Sicherheit.

Das Wichtigste: Halte deine Buchhaltung sauber und dokumentiere alles ordnungsgemäß. Dann wird jede Prüfung — ob verpflichtend oder freiwillig — zur Routine. Ein guter Steuerberater hilft dir, alle Anforderungen zu erfüllen und teure Fehler zu vermeiden. Es’s eine Investition, die sich lohnt.

Die Compliance-Anforderungen ändern sich regelmäßig. Bleibe informiert über neue Gesetze und Standards. Dann bist du immer auf der sicheren Seite.

Hinweis zur Informationspflicht

Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick über Prüfungs- und Compliance-Anforderungen in Deutschland. Die Informationen basieren auf dem deutschen Bilanzrecht und den geltenden Gesetzen. Allerdings können die Anforderungen je nach Branche, Rechtsform und individuellen Umständen unterschiedlich sein. Dieser Artikel ersetzt keine professionelle Steuer- oder Rechtsberatung. Für konkrete Fragen zu deinem Unternehmen solltest du einen Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater konsultieren. Die Rechtslage kann sich ändern — bitte überprüfe die aktuellen Anforderungen mit einem Fachexperten.