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Unternehmen & Standards

Bilanzierungspflichten für KMU

Nicht alle Unternehmen müssen die gleichen Regeln befolgen. Ein Überblick über Größenklassen und deren Anforderungen.

7 Min Lesezeit Anfänger Februar 2026
Jahresbericht und Finanzunterlagen auf Konferenztisch mit Diagrammen und Stiften

Größe entscheidet über Pflichten

Das deutsche Bilanzrecht ist nicht einheitlich. Je nach Unternehmensgröße unterscheiden sich die Anforderungen erheblich. Manche kleine Unternehmen müssen überhaupt keine Bilanz erstellen, während größere Betriebe detaillierte Jahresabschlüsse veröffentlichen müssen.

Diese Unterschiede sind kein Zufall — sie basieren auf dem Gedanken, kleine Betriebe nicht unnötig zu belasten, während größere Unternehmen transparenter sein sollten. Das Handelsgesetzbuch (HGB) definiert klare Grenzen, wann welche Regeln gelten. Wir zeigen dir, wo dein Unternehmen einzuordnen ist und was das konkret bedeutet.

Geschäftsfrau mittleren Alters in Bürokleidung sitzt am Schreibtisch mit Dokumenten und Laptop
Geschäftsmann mittleren Alters in dunklem Anzug arbeitet an Finanztabellen mit Taschenrechner

Das HGB-Klassifizierungssystem

Das Handelsgesetzbuch teilt Unternehmen in drei Kategorien ein. Die Einteilung erfolgt nach Bilanzsumme, Umsatzerlösen und Arbeitnehmerzahl. Keine dieser Größen muss allein überschritten werden — es genügt, wenn zwei der drei Grenzen erreicht werden.

Kleine Unternehmen

Bilanzsumme max. 6 Mio. , Umsatz max. 12 Mio. , max. 50 Mitarbeiter. Sie dürfen Bilanz und G&V vereinfacht darstellen.

Mittlere Unternehmen

Bilanzsumme max. 20 Mio. , Umsatz max. 40 Mio. , max. 250 Mitarbeiter. Detailliertere Anforderungen, aber noch erleichterungen.

Große Unternehmen

Alle Grenzen überschritten. Vollständige Rechnungslegung, erweiterte Offenlegungspflichten, teilweise Prüfungspflicht.

Befreiungsregeln verstehen

Es gibt Kategorien von Unternehmen, die gar nicht bilanzkenntnisse benötigen. Einzelunternehmer und Freiberufler können oft Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) statt Bilanz machen — wenn ihre Betriebseinnahmen unter 600.000 und Betriebsvermögen unter 600.000 liegen. Das vereinfacht vieles erheblich.

Auch Kleingewerbetreibende, die nicht im Handelsregister eingetragen sind, können die Vereinfachung nutzen. Wichtig: Diese Befreiungen sind keine permanente Lösung. Wächst dein Unternehmen, musst du irgendwann zur regulären Bilanzierung übergehen. Es’s besser, sich frühzeitig vorzubereiten als überrascht zu werden.

Junger Geschäftsmann mit Tablet in modernem Büroumfeld schaut auf Finanzdiagramme

Konkrete Anforderungen im Überblick

01

Aufzeichnungspflicht

Alle Geschäftsvorfälle müssen dokumentiert werden. Das geschieht über die Buchhaltung. Die Aufbewahrungsfrist beträgt 6 Jahre — nicht 10 Jahre wie oft gedacht.

02

Bilanzierungsfähigkeit

Du musst zwischen aktivierbaren und nicht-aktivierbaren Positionen unterscheiden. Nicht alles darf in die Bilanz — es gibt klare Regeln, was rein darf.

03

Bewertungsprinzipien

Anlage- und Umlaufvermögen haben unterschiedliche Bewertungsregeln. Anlagevermögen wird abgeschrieben, Umlaufvermögen wird bewertet nach Niederstwertprinzip.

04

Offenlegung

Kleine Unternehmen müssen ihre Bilanz nicht veröffentlichen. Mittlere und große Unternehmen müssen zum Handelsregister oder Bundesanzeiger einreichen.

05

Prüfungspflicht

Nur große Kapitalgesellschaften und größere Personengesellschaften benötigen eine externe Prüfung. Kleine und mittlere Unternehmen sind oft befreit.

06

Anhang & Lagebericht

Kleine Unternehmen dürfen Anhang und Lagebericht auslassen. Größere müssen erläutern, wie die Zahlen entstanden sind und wie’s dem Unternehmen geht.

Buchhalter oder Finanzfachmann arbeitet an Finanzbericht am Schreibtisch mit Papierwerk

Praktische Tipps für dein Unternehmen

1. Klassifizierung klären

Bestimme zuerst, in welche Kategorie dein Unternehmen fällt. Schau dir die drei Grenzen an und überlege, wo du stehst. Das ist der Schlüssel zu allem anderen.

2. Dokumentation von Anfang an

Führe von Tag eins an gute Aufzeichnungen. Es’s viel einfacher, ordentlich zu starten, als später alles zu rekonstruieren. Ein einfaches System ist besser als gar keins.

3. Steuerberater früh einbinden

Bevor dein Unternehmen wächst, hole dir fachliche Unterstützung. Ein guter Steuerberater spart dir später Zeit und Geld — und hilft bei der korrekten Bilanzierung.

4. Wachstum einplanen

Wenn dein Unternehmen wächst, ändern sich die Anforderungen. Bereite dich vor, wenn du in die nächste Größenklasse rutschst. Das gibt dir Zeit zur Anpassung.

Fazit: Deine Bilanzierungspflicht kennen

Die gute Nachricht: Du brauchst nicht alle Regeln zu kennen. Du brauchst nur deine. Finde heraus, in welche Kategorie dein Unternehmen fällt, und konzentriere dich auf die relevanten Anforderungen. Das macht alles überschaubarer.

Kleine Unternehmen haben Glück — die Regeln sind tatsächlich einfacher. Aber auch hier gilt: Saubere Dokumentation und zeitige professionelle Beratung zahlen sich aus. Wenn dein Unternehmen wächst, werde einfach rechtzeitig aktiv. So bleibst du immer auf der sicheren Seite.

Disclaimer

Dieser Artikel bietet Informationen zu Bilanzierungspflichten und dem deutschen Rechnungslegungsrecht. Die hier dargestellten Inhalte sind zu Bildungszwecken gedacht und ersetzen keine professionelle Steuer- oder Rechtsberatung. Die Gesetze und Bestimmungen ändern sich, und jede Unternehmenssituation ist unterschiedlich. Konsultiere einen Steuerberater oder Rechtsanwalt, bevor du wichtige Entscheidungen zur Bilanzierung deines Unternehmens triffst. Wir übernehmen keine Haftung für Fehler oder Auslassungen in diesem Text.